{"id":107,"date":"2017-05-25T15:04:45","date_gmt":"2017-05-25T13:04:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hexenprozesse-leipzig.de\/?p=107"},"modified":"2017-05-29T18:03:36","modified_gmt":"2017-05-29T16:03:36","slug":"die-hexe-im-maerchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hexenprozesse-leipzig.de\/?p=107","title":{"rendered":"Die Hexe im M\u00e4rchen"},"content":{"rendered":"<p>\u2026dazu f\u00e4llt den meisten Menschen sofort die <em><strong>Hexe aus H\u00e4nsel und Gretel<\/strong><\/em> ein: Alt, krumm, h\u00e4sslich, listig, b\u00f6sartig. Erinnert wird sich an die <em>b\u00f6se K\u00f6nigin<\/em> in <em>Schneewittchen<\/em>, die sich als alte Frau verkleidete und Gift so kunstvoll mischen konnte, dass sie den Apfel scheinbar t\u00f6dlich pr\u00e4parierte. Manche kennen noch die <em>Baba Jaga<\/em>, die Menschen in Tiere verwandeln kann, mit den Toten spricht und in einem H\u00e4uschen im Wald wohnt, das auf H\u00fchnerf\u00fc\u00dfen steht und laufen kann. Aber ist sie eine Hexe? Oder eher eine Zauberin?<\/p>\n<p>Das Wort <em>Hexe<\/em> ist tats\u00e4chlich noch nicht so alt. Erst um 1450 war es fertig konstruiert worden, um Frauen\u2026und manchmal auch Frauen mit besonderen F\u00e4higkeiten und Wissen m\u00f6glichst schlecht darzustellen: eben als Hexe. Doch welche Rolle spielt dabei das M\u00e4rchen? Dagmar Margotsdotter schreibt, das Wort <em>M\u00e4rchen<\/em> leitet sich her von dem Wort M\u00c4R. Die M\u00e4r ist eine Geschichte, der man glauben konnte. Doch je mehr der Glauben verloren ging oder verboten wurde, desto weniger bedeutsam war die M\u00e4r \u2013 und wurde so zum M\u00e4rchen.<\/p>\n<p>Erz\u00e4hlt wurde schon immer abends an den Feuern. In vorchristlichenJahrhunderten und bis weit ins Mittelalter gab es Geschichten auch \u00fcber das Wirken der G\u00f6ttinnen und G\u00f6tter, an die man glaubte, die man um Rat und Hilfe bat, denen man F\u00e4higkeiten zuschrieb, die notwendig waren, um im eigenen Leben und Alltag klarzukommen. In allen diesen Geschichten gibt es personifizierte Zust\u00e4ndigkeiten: die G\u00f6ttinnen treten auf als Jungfrau\/ junge Frau, als Mutter oder als Alte.<\/p>\n<figure id=\"attachment_150\" aria-describedby=\"caption-attachment-150\" style=\"width: 510px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-150 \" src=\"http:\/\/www.hexenprozesse-leipzig.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/alte-300x245.jpg\" alt=\"\" width=\"510\" height=\"417\" srcset=\"https:\/\/www.hexenprozesse-leipzig.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/alte-300x245.jpg 300w, https:\/\/www.hexenprozesse-leipzig.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/alte-768x626.jpg 768w, https:\/\/www.hexenprozesse-leipzig.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/alte.jpg 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 510px) 100vw, 510px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-150\" class=\"wp-caption-text\"><em>Illustration aus: Karfunkel &#8211; Kraut und Hexe Nr. 1. Sonderheft 2008 &#8211; Zeitschrift f\u00fcr erlebbare Geschichte, herausgegeben von Michael Wolf<br \/><\/em><\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Die Alte<\/em> ist wichtig im M\u00e4rchen. Ihr Wissen ist am Gr\u00f6\u00dften. Sie kann mit den Verstorbenen sprechen, sie kann den Tod begleiten und den \u00dcbergang in ein neues Leben. Die Alte kann sich verwandeln, z.B. in eine Eule, einen Raben, eine Katze, meist in ein nachtaktives Tier&#8230; denn sie wirkt am Ende des Tages, am Ende des Lebens. Die Alte kann auch andere verwandeln, damit diese neue Erfahrungen sammeln k\u00f6nnen in einem \u201eanderen Sein\u201c. Sie kann verwandeln vom Tod zum neuen Leben.<\/p>\n<p>Fr\u00fcher \u201eals das W\u00fcnschen noch half\u2026\u201c, als die Menschen noch an verschiedene G\u00f6ttinnen und G\u00f6tter wie selbstverst\u00e4ndlich glaubten, war die<em> alte weise Frau<\/em> keine Hexe \u2013 sondern eine lebenswichtige \u201ePerson\u201c, der man respektvoll begegnete. Es war in keiner Weise verurteilenswert, wenn eine Frau magische F\u00e4higkeiten hatte. Mit der Hexenverfolgung \u00e4nderte sich das.<\/p>\n<p>Die \u00f6ffentlich verlesenen Verh\u00f6r-Protokolle bei Hexenverbrennungen, die gedruckten Flugbl\u00e4tter mit schrecklichen Bildern, die Angst, die die Kirche verbreitete, dass Ungl\u00e4ubige in der (erst christlich erfundenen) H\u00f6lle landeten \u2013 all das bewirkte, dass sich der Glauben an die alte G\u00f6ttin wandelte. Die Attribute blieben: alt, zauberisch, kraftbegabt, umgeben von nachtaktiven Tieren, sich verwandeln und durch die Luft fliegen k\u00f6nnend. Die jetzt aber \u2013 und das war neu \u2013 nicht mehr aus sich selbst heraus m\u00e4chtig sind und zaubern k\u00f6nnen, sondern nur im Bund mit dem (ebenfalls christlich erfundenen) Teufel. Und so begegnen uns jetzt die Hexen in den Sagen und M\u00e4rchen, die erst im ausgehenden Mittelalter und der fr\u00fchen Neuzeit entstanden. Erst mit dem Vordringen des Christentums etablierte sich der Begriff Hexe im Sprachgebrauch. Der alte Volksglaube, der sich an den Rhythmen der Natur orientierte, wurde im Rahmen der christlichen Missionierung von der Kirche als Aberglaube betrachtet, der bek\u00e4mpft werden musste.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eWir befinden uns in dem geschichtlichen Zeitraum vom 15. bis zum 17. Jahrhundert, einer Zeit der Angst und des Schreckens. Es herrscht der sogenannte Hexenwahn. Seit Jahren, Jahrzehnten brennen\u2026 die Feuer der Inquisition besonders durch die Leiber unserer Urahninnen. Sie werden als Hexen diffamiert und zu Tausenden zum Tode verurteilt. Es ist die Zeit, in der aus der heiligen Stute Epona ein Schimpfwort wird: alte M\u00e4hre. Und aus Lindw\u00fcrmern Hausdrachen werden, aus der G\u00f6ttin des Todes und der Weisheit wird die Rabenmutter. Und die allumfassende G\u00f6ttin, im Norden Freya oder Frigga genannt, die in vielen Tieren, so auch als heilige Sau verehrt wird, wird zur alten Sau degradiert und mit ihr das gesamte Geschlecht der Frauen.\u201c<sup><a id=\"fnref-1\" href=\"#fn-1\">1<\/a><\/sup><\/p><\/blockquote>\n<h3><strong>Wer begegnet uns nun in den Sagen dieser Zeit?<\/strong><\/h3>\n<p>Die Sagen brachten <em>die Hexe<\/em> in den realen Alltag \u2013 bezogen auf konkreten Ort, Zeitraum, Geschehen und (vermeintlich) real existierende Personen. In den Sagen lebt <em>die Hexe<\/em> meist als Nachbarin, Bekannte oder Verwandte, ist damit Teil der Gemeinschaft und mit ihr das Magische. Volkst\u00fcmliche Sagen konnten somit einen Katalysator der Hexenverfolgung bilden. Im Gegensatz zur Kirche, die dem Teufelspakt gro\u00dfe Bedeutung einr\u00e4umt, setzt die Sage jedoch andere Schwerpunkte: Bei der \u00fcberwiegend auf dem Land lebenden Bev\u00f6lkerung geht es vor allem um die Erkl\u00e4rung unerkl\u00e4rlicher Ph\u00e4nomene. So bedroht die Hexe in vielen F\u00e4llen mit Schadenszauber die Ernte. Teufelsbuhlschaft kommt in vielen Sagen kaum vor, selbst der \u201eHexen-Sabbat\u201c gleicht in der Schilderung einem b\u00e4uerlichen Fest.<sup><a id=\"fnref-2\" href=\"#fn-2\">2<\/a><\/sup><\/p>\n<h3><strong>Der Melinenborn zu Leisnig<\/strong><\/h3>\n<p>Im Jahre 1615 wurde zu Leisnig eine Mutter mit zwei T\u00f6chtern wegen Zauberei lebendigen Leibes verbrannt. Bei der Exekution sollen schwarze Raben um das Feuer geflogen sein. Bevor sie in Haft genommen worden waren, f\u00fcrchtete sich jedermann vor ihnen. Man sagte ihnen nach, dass sie die Leute behexten, die ihnen nicht eine gute Tat erweisen w\u00fcrden. Um nicht ihren Unwillen herauszufordern, wurden ihnen deshalb von allen Hochzeiten, Kindtaufen und sonstigen Festen Speisen geschickt. Nach der Mutter, die Meline hie\u00df, wurde der Born (die Quelle) auf einer Wiese am Minkwitzer Messweg Melinenborn genannt. Dort soll sie mit dem b\u00f6sen Geist zu tun gehabt haben.<sup><a id=\"fnref-3\" href=\"#fn-3\">3<\/a><\/sup><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><span style=\"text-decoration: underline;\">Quellen:<\/span><\/strong><\/p>\n<p id=\"fn-1\"><span style=\"font-size: 12pt;\">1. Margotsdotter-Fricke, Dagmar (2008): Die gute alte M\u00e4r. Christel G\u00f6ttert Verlag, S. 9<a href=\"#fnref-1\">\u21a9<\/a><\/span><\/p>\n<p id=\"fn-2\"><span style=\"font-size: 12pt;\">2. Tepe, Peter: \u201eDie Variation des Hexenbegriffs vor dem Hintergrund seiner literaturspezifischen und religionshistorischen Funktion\u201c S. 4-5 http: \/\/www.mythos-magazin.de (Stand: 10.05.2017)<a href=\"#fnref-2\">\u21a9<\/a><\/span><\/p>\n<p id=\"fn-3\"><span style=\"font-size: 12pt;\">3. Werner, Dietmar (Hrsg.)(1986): Das Fegeweib vom Katzenstein \u2013 Frauen in der s\u00e4chsischen Sage. Leipzig : Verlag f\u00fcr die Frau<a href=\"#fnref-3\">\u21a9<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt;\">Illustration aus: Karfunkel &#8211; Kraut und Hexe Nr. 1. Sonderheft 2008 &#8211; Zeitschrift f\u00fcr erlebbare Geschichte, herausgegeben von Michael Wolf. MD&amp;M Pressevertreib, S.23<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u2026dazu f\u00e4llt den meisten Menschen sofort die Hexe aus H\u00e4nsel und Gretel ein: Alt, krumm, h\u00e4sslich, listig, b\u00f6sartig. 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