{"id":111,"date":"2017-05-25T14:00:17","date_gmt":"2017-05-25T12:00:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hexenprozesse-leipzig.de\/?p=111"},"modified":"2017-05-29T18:03:18","modified_gmt":"2017-05-29T16:03:18","slug":"hexen-weise-frauen-und-zauberinnen-in-den-maerchen-der-brueder-grimm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hexenprozesse-leipzig.de\/?p=111","title":{"rendered":"Hexen, weise Frauen und Zauberinnen in den M\u00e4rchen der Br\u00fcder Grimm"},"content":{"rendered":"<p>Die Br\u00fcder Grimm sammelten ab 1806 Volksm\u00e4rchen, indem sie M\u00e4rchen so aufzeichneten, wie sie erz\u00e4hlt wurden. Dabei ging es ihnen in erster Linie um den Erhalt des Kultur- und Sprachgutes. Erst in sp\u00e4teren Ausgaben ihrer gesammelten M\u00e4rchen nahmen sie nach Auff orderung des Verlegers vereinzelt Ver\u00e4nderungen in den Texten vor, um einen besseren Verkaufserfolg zu erzielen.<\/p>\n<p>Eine der letzten Hinrichtungen einer sogenannten Hexe fand 1793 in S\u00fcdpreu\u00dfen statt. Es ist davon auszugehen, dass die Hexenverfolgung noch im Bewusstsein der Bev\u00f6lkerung pr\u00e4sent war, als die Grimms 13 Jahre sp\u00e4ter mit dem M\u00e4rchensammeln begannen. W\u00e4hrend im Rahmen der Hexenverfolgung jegliche zauberische\/magische Handlung als Teufelswerk betrachtet wurde, gab es innerhalb der Bev\u00f6lkerung durchaus eine differenzierte Einsch\u00e4tzung solchen Tuns. Betrachten wir die von den Br\u00fcdern Grimm gesammelten Volksm\u00e4rchen als \u00dcberlieferung der Gedankenwelt unserer Vorfahren, begegnen uns verschiedene weibliche, des Zauberns kundige Figuren: die Hexe, die Zauberin und die weise Frau. Folgende Ausf\u00fchrungen beziehen sich ausschlie\u00dflich auf die Kinder- und Hausm\u00e4rchen der Br\u00fcder Grimm (KHM).<\/p>\n<h3><strong>Hexe<\/strong><\/h3>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-144 alignright\" src=\"http:\/\/www.hexenprozesse-leipzig.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Hexe-191x300.jpg\" alt=\"\" width=\"191\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.hexenprozesse-leipzig.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Hexe-191x300.jpg 191w, https:\/\/www.hexenprozesse-leipzig.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Hexe.jpg 567w\" sizes=\"auto, (max-width: 191px) 100vw, 191px\" \/>Die Hexe ist eine eindeutig b\u00f6se Figur. Sie begegnet uns als Menschenfresserin par excellence im gut bekannten M\u00e4rchen \u201eH\u00e4nsel und Gretel\u201c, aber auch bei \u201eFundevogel\u201c und \u201eL\u00e4mmchen und Fischchen\u201c. Eine Hexe verw\u00fcnscht Menschen in einen Baum bzw. eine Taube (Die Alte im Walde), in einen Frosch (Froschk\u00f6nig), ein Reh (Br\u00fcderchen und Schwesterchen) oder in Stein (Die Goldkinder). Sie trachtet nach dem Leben der Protagonist\/innen, wie sie es auch als Giftmischerin in \u201eDas R\u00e4tsel\u201c tut. K\u00f6nigskinder werden von ihr verbannt; der K\u00f6nigssohn in einen Eisenofen (Der Eisenofen), die K\u00f6nigstochter auf einen Glasberg (Der Trommler). Am meisten jedoch versteht sich die Hexe auf<br \/>\nSchadenszauber (Die sechs Schw\u00e4ne, Der liebste Roland, Das blaue Licht, Die wei\u00dfe und die schwarze Braut).<\/p>\n<p>Obwohl wir alle scheinbar eine genaue Vorstellung davon haben, wie eine M\u00e4rchenhexe auszusehen hat, ist nur bei \u201eH\u00e4nsel und Gretel\u201c ein Satz \u00fcber ihre Erscheinung zu finden:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDie Hexen haben rothe Augen und k\u00f6nnen nicht weit sehen, aber sie haben eine feine Witterung, wie die Thiere, und merkens wenn Menschen heran kommen.\u201c (KHM 15 | 1857)<\/p><\/blockquote>\n<p>Ansonsten h\u00e4lt sich das M\u00e4rchen nicht mit \u00c4u\u00dferlichkeiten auf. Die Hexe ist der negative Gegenpart zum Helden\/zur Heldin. Im Fortgang des M\u00e4rchens wird sie meist gezwungen, ihren Zauber r\u00fcckg\u00e4ngig zu machen und am Ende wird die Hexe stets f\u00fcr ihr b\u00f6ses Tun durch Verbrennen, Ers\u00e4ufen oder zu Tode tanzen bestraft und unsch\u00e4dlich gemacht.<\/p>\n<p>Aber auch zu Unrecht der Hexerei bezichtigte Heldinnen kennt das M\u00e4rchen. In den M\u00e4rchen \u201eMarienkind\u201c und \u201eDie sechs Schw\u00e4ne\u201c werden den M\u00e4dchen, einmal als Bestrafung f\u00fcr einen Tabubruch, einmal als Begleiterscheinung einer Erl\u00f6sungsaufgabe, die Stimmen genommen. Beide Figuren geraten wegen ihrer Sprachlosigkeit in den Verdacht der Hexerei und k\u00f6nnen sich wegen eben dieser Sprachlosigkeit gegen die Hexereivorw\u00fcrfe nicht verteidigen. Da das Volksm\u00e4rchen in der Regel gut ausgeht, werden die Heldinnen im letzten Augenblick, schon auf dem brennenden Scheiterhaufen stehend, gerettet.<\/p>\n<h3><strong>Weise Frau<\/strong><\/h3>\n<p>Eine ganz andere Rolle kommt der weisen Frau im M\u00e4rchen zu. Die weise Frau sorgt f\u00fcr die Neutralisierung des Hexenwerkes. Sie kennt die richtigen Segensspr\u00fcche um die Verw\u00fcnschungen einer Hexe aufzul\u00f6sen (L\u00e4mmchen und Fischchen, Der liebste Roland) und wei\u00df Rat, wenn der Segensspruch allein nicht reicht, um gegen die B\u00f6swilligkeit der eigenen (Stief-)Familie anzukommen (Ein\u00e4uglein, Zwei\u00e4uglein, Drei\u00e4uglein). Hilfreiche Zauberdinge, wie eine Garnrolle, die dem K\u00f6nig den Weg durch den Wald zu seinen dort versteckten Kindern fi nden l\u00e4sst, werden von weisen Frauen verschenkt (Die sechs Schw\u00e4ne). Eine weise Frau wendet das B\u00f6se zum Guten, macht Hexenwerk unsch\u00e4dlich und kennt den Schl\u00fcssel des Problems. Ihre Funktion ist es, Rat zu geben, Sinn zu stiften und den Weg zu weisen.<\/p>\n<h3><strong>Zauberin<\/strong><\/h3>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-145 alignright\" src=\"http:\/\/www.hexenprozesse-leipzig.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Zauberin-228x300.jpg\" alt=\"\" width=\"228\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p>Die Zauberinnen der Grimms M\u00e4rchenhingegen sind Meisterinnen der Initiation: Sie haben die wichtige Aufgabe,jungen Menschen Wissen zu vermitteln und\/oder sie in lebenswichtige Zusammenh\u00e4nge einzuweihen. Vermutlich handelt es sich bei diesen M\u00e4rchen um die Reste alter \u00dcbergangsrituale. Die Phasen des \u00dcberganges oder die Lehrzeitsind oft von bitteren Erfahrungen, schier unmenschlich anmutenden Aufgaben oder besonderen Herausforderungen gepr\u00e4gt. Die Zauberin im M\u00e4rchen ist auf ihre Weise eine Hebamme ins Leben der Erwachsenen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend M\u00e4dchen eine Zeit lang abgeschieden bei der Zauberin leben (Die G\u00e4nsehirtin am Brunnen, Jorinde und Joringel) oder ausschlie\u00dflich von ihr betreut werden (Rapunzel), gilt es bei den Jungen, sich von ihrer Mutter zu l\u00f6sen (Die Kristallkugel), auf sich selbst zu vertrauen (Jorinde und Joringel) und seine Teamf\u00e4higkeit unter Beweis zu stellen (Die sechs Diener).<\/p>\n<p>Die Rolle der Zauberin ist notwendig f\u00fcr die Entwicklung der M\u00e4rchenheldin\/des M\u00e4rchenheldens und beschr\u00e4nkt sich auf eine zeitweise Begleitung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><span style=\"text-decoration: underline;\">Quelle:<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt;\">Br\u00fcder Grimm: Kinder- und Hausm\u00e4rchen (1857)<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt;\"><strong><em>Illustrationen von lebeusbi<\/em><\/strong><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Br\u00fcder Grimm sammelten ab 1806 Volksm\u00e4rchen, indem sie M\u00e4rchen so aufzeichneten, wie sie erz\u00e4hlt wurden. 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