{"id":126,"date":"2017-05-29T13:00:02","date_gmt":"2017-05-29T11:00:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hexenprozesse-leipzig.de\/?p=126"},"modified":"2017-05-29T18:05:22","modified_gmt":"2017-05-29T16:05:22","slug":"hexen-in-der-bildenden-kunst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hexenprozesse-leipzig.de\/?p=126","title":{"rendered":"Hexen in der bildenden Kunst"},"content":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend uns Zauberinnen\/Hexen bereits in der antiken Literatur begegnen, finden wir sie erst wesentlich sp\u00e4ter in der bildenden Kunst. Mit der Durchsetzung des Glaubens an einen <em>Hexenflug<\/em> in der Theologie im 15. Jahrhundert entstehen die ersten Darstellungen eines solchen Fluges; sie erreichen allerdings noch keine breitere Wirkung.<\/p>\n<p>Das \u00e4ndert sich mit der Verbreitung des Buchdrucks und der Illustration der <em>Hexen-Traktate<\/em>. Es bildet sich eine Ikonographie heraus, die auch im heutigen Betrachten die abgebildeten Frauen eindeutig als Hexen erkennen l\u00e4sst und die nun eindeutig auf das weibliche Geschlecht bezogen ist.<\/p>\n<figure id=\"attachment_206\" aria-describedby=\"caption-attachment-206\" style=\"width: 290px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-206\" src=\"http:\/\/www.hexenprozesse-leipzig.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/schaeufelein-208x300.jpg\" alt=\"\" width=\"290\" height=\"418\" srcset=\"https:\/\/www.hexenprozesse-leipzig.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/schaeufelein-208x300.jpg 208w, https:\/\/www.hexenprozesse-leipzig.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/schaeufelein-768x1106.jpg 768w, https:\/\/www.hexenprozesse-leipzig.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/schaeufelein-711x1024.jpg 711w, https:\/\/www.hexenprozesse-leipzig.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/schaeufelein.jpg 1000w\" sizes=\"auto, (max-width: 290px) 100vw, 290px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-206\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"font-size: 10pt;\">Hans Sch\u00e4ufelein, Holzschnitt &#8222;Die Schadenszaubertaten der Hexen&#8220; aus: Tengler, Ulrich (1511): Der ne\u00fc Layenspiegel. Augsburg<br \/><\/span><\/figcaption><\/figure>\n<p>Beispielhaft ein Holzschnitt von <strong>Hans Sch\u00e4ufelein<\/strong> im \u201eDas \u00dcbel der Hexen\u201c aus Ulrich Tenglers \u201eDer ne\u00fc Layenspiegel\u201c.<sup><a id=\"fnref-1\" href=\"#fn-1\">1<\/a><\/sup><\/p>\n<p>Der Laienspiegel, eines der bedeutendsten Rechtsb\u00fccher der fr\u00fchen Neuzeit, hatte zum Ziel in deutscher Sprache m\u00f6glichst allgemeinverst\u00e4ndlich rechtliche Inhalte der Verbrechen der Zauberei und Hexerei zu vermitteln. Zielgruppe waren \u00fcberwiegend vor allem Rechtspraktiker (Richter, Anw\u00e4lte, Schreiber).<\/p>\n<p>Sehr deutlich zeigt der Holzschnitt den neu etablierten Hexereibegriff. Hier sind magische Praktiken des d\u00f6rflichen Lebens konkret gestaltet worden: (Milch stehlen), Wettermachen, Schadenszauber, Hexenritt(-flug), Teufelsbuhlschaft. Im Zentrum des Bildes: Das Bild des traditionellen Zauberers mit allen dazugeh\u00f6rigen Insignien seiner schwarzen Kunst und die Gestalt eines D\u00e4mons.<\/p>\n<p>Der untere Bildabschnitt zeigt, welche grausamen Strafen denjenigen drohten, die sich magischer Praktiken und der Hexenkunst bedienen. Erkennbar sind zwei Personen, die f\u00fcr Folter und Feuertod verantwortlich sind. Der Gerichtsstab kennzeichnet sie als Repr\u00e4sentanten des Rechtssystems: klerikales Gewand und Doktorhut, der eine \u2013 b\u00fcrgerliche Kleidung, der andere \u2013 kirchliche und weltliche Macht verbunden im Kampf gegen das \u201eVerbrechen der Hexerei\u201c.<\/p>\n<p>Mit der Erfindung des Buchdruckes bot sich die M\u00f6glichkeit f\u00fcr die Herstellung einer gr\u00f6\u00dferen Auflage von illustrierten Flugbl\u00e4ttern u.\u00e4. Medien. Die wurde auch entsprechend genutzt, um die \u201eherrschende Meinung\u201c unters Volk zu bringen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_207\" aria-describedby=\"caption-attachment-207\" style=\"width: 385px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-207\" src=\"http:\/\/www.hexenprozesse-leipzig.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/cranach-flugblatt-218x300.jpg\" alt=\"\" width=\"385\" height=\"530\" srcset=\"https:\/\/www.hexenprozesse-leipzig.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/cranach-flugblatt-218x300.jpg 218w, https:\/\/www.hexenprozesse-leipzig.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/cranach-flugblatt-768x1055.jpg 768w, https:\/\/www.hexenprozesse-leipzig.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/cranach-flugblatt-745x1024.jpg 745w, https:\/\/www.hexenprozesse-leipzig.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/cranach-flugblatt.jpg 1316w\" sizes=\"auto, (max-width: 385px) 100vw, 385px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-207\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"font-size: 10pt;\">Cranach Flugblatt aus: Decker, Rainer (2004): Hexen. Magie, Mythen und die Wahrheit , Darmstadt : Primus Verlag<\/span><\/figcaption><\/figure>\n<p>Dieses Flugblatt gestaltete <strong>Lucas Cranach der J\u00fcngere<\/strong>. Es stellt die Hexenverbrennung in Wittenberg 1540 dar, nach der Hinrichtung. Cranach der J\u00fcngere bef\u00fcrwortete als Zeitzeuge die Hinrichtung. Luther war zu dieser Zeit nicht in Wittenberg, es gibt auch keine konkrete \u00c4u\u00dferung von ihm zu dieser grausamen Hinrichtung. Der Fall ist quellenm\u00e4\u00dfig sehr gut belegt.<sup><a id=\"fnref-2\" href=\"#fn-2\">2<\/a><\/sup><\/p>\n<p><strong>Johannes Praetorius \u201eBlockes-Berges Verrichtung\u201c<\/strong><sup><a href=\"#fn-3\">3<\/a><\/sup><\/p>\n<figure id=\"attachment_208\" aria-describedby=\"caption-attachment-208\" style=\"width: 277px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-208\" src=\"http:\/\/www.hexenprozesse-leipzig.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/TitelbildPraetorius-231x300.jpg\" alt=\"\" width=\"277\" height=\"360\" srcset=\"https:\/\/www.hexenprozesse-leipzig.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/TitelbildPraetorius-231x300.jpg 231w, https:\/\/www.hexenprozesse-leipzig.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/TitelbildPraetorius-768x997.jpg 768w, https:\/\/www.hexenprozesse-leipzig.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/TitelbildPraetorius-789x1024.jpg 789w, https:\/\/www.hexenprozesse-leipzig.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/TitelbildPraetorius.jpg 974w\" sizes=\"auto, (max-width: 277px) 100vw, 277px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-208\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"font-size: 10pt;\">Titelbild &#8222;Blockes-Berges Verrichtung&#8220;<br \/><\/span><\/figcaption><\/figure>\n<p>Der Autor Johannes Praetorius (eigtl. Hans Schultze; *1630 in Zethlingen\/Altmark \u20201680 in Leipzig) lebte und wirkte in Leipzig, war ein damals bekannter Schriftsteller, Historiker und Kompilator (Autor, dessen Arbeit im Wesentlichen aus dem Sammeln oder Zusammenstellen von Werken oder Zitaten anderer Autoren besteht \u2013 eine f\u00fcr das 17. Jahrhundert nicht un\u00fcbliche Arbeitsweise). Johannes Praetorius war viele Jahre j\u00fcnger als Benedict Carpzov \u2013 teilte aber dessen Auffassungen zur Hexerei.<sup><a id=\"fnref-4\" href=\"#fn-4\">4<\/a><\/sup><\/p>\n<p>Auch wenn Praetorius in der deutschen Literaturgeschichte keinen erstrangigen Platz einnimmt, so hat er mit seinem Werk doch namhafte Dichter inspiriert, so z.B. war \u201eBlockes- Berges Verrichtung\u201c eine der Quellen f\u00fcr Goethe und seinen Faust. Mit seinem reich illustrierten Buch erreichte und beeinflusste Praetorius ein weit gr\u00f6\u00dferes Lesepublikum als z.B. der Laienspiegel.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\"><strong>Quellen:<\/strong><\/span><\/p>\n<p id=\"fn-1\"><span style=\"font-size: 10pt;\">1. Tengler, Ulrich (1511): Der ne\u00fc Layenspiegel. Augsburg, Fol. 190r<a href=\"#fnref-1\">\u21a9<\/a><\/span><\/p>\n<p id=\"fn-2\"><span style=\"font-size: 10pt;\">2. vgl. z.B. L\u00fccke, M.; L\u00fccke (2011): Ihrer Zauberei halber verbrannt. Hexenverfolgungen in der Fr\u00fchen Neuzeit auf dem Gebiet Sachsen-Anhalts. Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale),S. 119\u2013127<a href=\"#fnref-2\">\u21a9<\/a><\/span><\/p>\n<p id=\"fn-3\"><span style=\"font-size: 10pt;\">3. M\u00f6hring, Wolfgang (1979): Johannes Praetorius. Hexen-, Zauber- und Spukgeschichten aus dem Blockberg. Frankfurt a. M: Insel Verlag<a href=\"#fnref-3\">\u21a9<\/a><\/span><\/p>\n<p id=\"fn-4\"><span style=\"font-size: 10pt;\">4. vgl. auch Jordan, Stefan (2001): Praetorius, Johannes, in: NDB(Neue deutsche Biographie). Band 20, Berlin: Duncker &amp; Humblot, Berlin, S. 667f<a href=\"#fnref-4\">\u21a9<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\"><strong>Illustration:<\/strong> Hans Sch\u00e4ufelein, Holzschnitt &#8222;Die Schadenszaubertaten der Hexen&#8220; aus: Tengler, Ulrich (1511): Der ne\u00fc Layenspiegel. Augsburg, Fol. 190r<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 10pt;\"> <strong>Cranach Flugblatt aus:<\/strong> Decker, Rainer (2004): Hexen. Magie, Mythen und die Wahrheit, , Darmstadt : Primus Verlag, S. 49.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 10pt;\"> <strong>Bilder zu Praetorius aus:<\/strong> M\u00f6hring, Wolfgang (1979): Johannes Praetorius. Hexen-, Zauber- und Spukgeschichten aus dem Blocksberg. Frankfurt a. M: Insel Verlag, 1979, Titelbild der Originalausgabe: S. 4, der Titel der Originalausgabe: S. 7<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend uns Zauberinnen\/Hexen bereits in der antiken Literatur begegnen, finden wir sie erst wesentlich sp\u00e4ter in der bildenden Kunst. 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