{"id":128,"date":"2017-05-29T15:00:35","date_gmt":"2017-05-29T13:00:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hexenprozesse-leipzig.de\/?p=128"},"modified":"2017-06-13T20:17:35","modified_gmt":"2017-06-13T18:17:35","slug":"der-begriff-hexe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hexenprozesse-leipzig.de\/?p=128","title":{"rendered":"Der Begriff Hexe"},"content":{"rendered":"<p>Der Begriff der Hexe entsteht erst zum Ende des Mittelalters. Er wird <em>quasi neu geschaffen<\/em> aus \u00e4lteren Begriffen wie <strong><em>H\u00e4gare, Hagazussa oder Hagia<\/em><\/strong> (griechisch) \u2013 <strong><em>die Weise, die Wissende, meist \u00e4ltere Frau<\/em><\/strong>, die abseits des Dorfes lebt\u2026 auf dem <em>Hag<\/em>. Hag bedeutet dorniges Gestr\u00fcpp, \u201edornige Hecken\u201c am Rande des Dorfes, der Gemeinschaft.<\/p>\n<p>Sprachgeschichtlich verbunden wird das Wort <em>Hexe<\/em> auch mit <em><strong>hagazussa<\/strong><\/em>, der \u201eZaunreiterin\u201c zwischen den Welten&#8230; Diese kann vermitteln zwischen Leben und Tod. Sie ist <em>die Besondere, die Unverst\u00e4ndliche, die Nicht-Leicht-Zu-Verstehende, eine Wissende<\/em>. In einigen Sagen ist sie die <em><strong>femina Saga<\/strong>, die weise Frau.<\/em><\/p>\n<p>Die feministische Autorin <strong>Erika Wisselinck<\/strong><sup><a id=\"fnref-1\" href=\"#fn-1\">1<\/a><\/sup> schreibt 1987: Hexe ist kein alter Begriff der deutschen Sprache. Im <em>Handw\u00f6rterbuch des deutschen Aberglaubens<\/em> hei\u00dft es: \u201eDer Inhalt des Wortes <em>Hexe<\/em> wurde durch die kirchliche und staatliche Gesetzgebung festgestellt und zuerst durch die Ketzer-Inquisition zusammengefasst. Der neue Begriff<em> Hexe<\/em> war um 1480 fertig.\u201c<sup><a id=\"fnref-2\" href=\"#fn-2\">2<\/a><\/sup><\/p>\n<p>Mit <em>Hexe<\/em> wurden ab dieser Zeit viele \u00e4ltere Begriffe ersetzt wie z.B.: <strong><em>Furien<\/em><\/strong> \u2013 die Racheg\u00f6ttinnen der griechischen Mythologie; <strong><em>striga<\/em><\/strong> \u2013 Vogelfrau oder Eule<sup><a id=\"fnref-3\" href=\"#fn-3\">3<\/a><\/sup>; <em>herbaria<\/em> \u2013 Kr\u00e4uterfrau oder<strong> <em>lamia <\/em><\/strong>\u2013 Holzweib. Sp\u00e4ter wird <em>Hexe<\/em> zur <em>Veneficia<\/em> \u2013 zur Giftmischerin im negativen Sinn. Im geschlechtsbezogenen Kontext gibt es auch: <em>Magus<strong> \u2013 der Magier, der Weise; Incantor<\/strong><\/em> \u2013 der kr\u00e4uterkundige Beschw\u00f6rer und sp\u00e4ter <em>den Hexer<\/em><strong>.<\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4hrend der r\u00f6mischen Antike wurde an Zauberei als reale Handlung geglaubt und ihr Missbrauch (<em>maleficium<\/em> \u201edas B\u00f6se Tuende\u201c) bereits unter Strafe gestellt.<sup><a id=\"fnref-4\" href=\"#fn-4\">4<\/a><\/sup> Die Vorstellung, dass Menschen mit Hilfe von D\u00e4monen andere Menschen sch\u00e4digen k\u00f6nnen, galt bereits im Alten Testament als G\u00f6tzendienst und wurde u.a. mit dem Tod durch Steinigung bestraft.(Exodus 22,17).<sup><a id=\"fnref-5\" href=\"#fn-5\">5<\/a><\/sup><\/p>\n<p>Der Kirchenlehrer <strong>Augustinus<\/strong> (um 400) entwickelte (u.a. aus antiken und j\u00fcdischen D\u00e4monen-Interpretationen) die Lehre vom D\u00e4monen-Pakt, die sp\u00e4ter in der Theologie des Mittelalters von 1230 &#8211; 1430 zur wissenschaftlichen Begr\u00fcndung des Hexenglaubens herangezogen wurde.<\/p>\n<p>Auch im Fr\u00fch- und Sp\u00e4tmittelalter findet man in den (heute noch vorhandenen) Rechtsb\u00fcchern die Bestrafung von Zaubernden. Das in Deutschland sehr weit verbreitete Buch zur Rechtssprechung \u201eSachsenspiegel\u201c (entstanden ca. 1220) sah f\u00fcr Schadenszauber die Todesstrafe vor, ausgef\u00fchrt durch die Hinrichtung auf dem Scheiterhaufen. Zudem wurde Zauberei bereits als \u201eUnglauben\u201c dargestellt, als \u201eAbfall vom christlichen Glauben\u201c. In den Jahrhunderten zuvor waren <em>Zauberei und Magie<\/em> als normaler Teil des Lebensalltages akzeptiert \u2013 und wurden <em>noch nicht<\/em> in Verbindung gebracht mit mangelndem christlichen Glauben. Der Glaube daran, dass Zauberei m\u00f6glich ist und mit ihrer Hilfe Positives wie auch Negatives bewirkt werden kann, war seit Jahrtausenden weltweit durch alle Schichten verbreitet\u2026 auch in der Gesellschaft des europ\u00e4ischen Mittelalters.<\/p>\n<p>Im Mittelalter versch\u00e4rften theologische Autorit\u00e4ten wie<strong> Thomas von Aquin<\/strong> (Dominikaner-M\u00f6nch, Philosoph, Theologe, 1225 &#8211; 1274) die Theorie von Augustinus, die zwischenzeitlich an Bedeutung und Akzeptanz verloren hatte. Nach von Aquin kann kein Mensch allein einen Schaden wirken. Sondern ein Schadenszauber, das <em>Maleficium<\/em>, ist nur m\u00f6glich, \u201emittels eines Paktes mit dem Teufel\u201c. Diese \u201ewissenschaftliche Lehrmeinung\u201c brachte Zauberei damit grunds\u00e4tzlich mit einem Teufelspakt in Zusammenhang. Und Menschen, die \u201ebesonders wenig an Gott glaubten\u201c, waren daf\u00fcr besonders \u201eempf\u00e4nglich\u201c. Dies sollten vor allem Frauen sein.<\/p>\n<p>Bereits w\u00e4hrend der Inquisition, der Ketzerverfolgung ab 1212 wurden <em>H\u00e4retiker<\/em> (vom Glauben abgefallene Menschen) der Zauberei verd\u00e4chtigt. Einigen der Ketzerei verd\u00e4chtigte Gruppen wurde durch die kirchliche Inquisition bereits im 11. Jh. unterstellt, dass sie auf ihren Zusammenk\u00fcnften und Versammlungen <em>Christus<\/em> verleugneten.<\/p>\n<p>Diese Zusammenk\u00fcnfte wurden von den kirchlichen Verfolgern \u201e<strong>Sabbat<\/strong><em>\u201c genannt. Sabbat bezeichnet den j\u00fcdischen Ruhetag, an dem keine Arbeit verrichtet wird. <\/em>Das Wort <em>Sabbat<\/em> f\u00fcr die Zusammenk\u00fcnfte der \u201eUngl\u00e4ubigen\u201c zu verwenden, bedeutet auch eine Abwertung des j\u00fcdischen Feiertages. Diese \u201eSabbats\u201c sollen im Dunkeln an sehr abgelegenen Orten stattgefunden haben. Um den Hexen-Sabbat \u00fcberhaupt erreichen zu k\u00f6nnen, <strong><em>m\u00fcssen Hexen durch die Luft fliegen k\u00f6nnen<\/em><\/strong> \u2013 so dem Aberglauben des Volkes entsprechende Erkl\u00e4rung.<\/p>\n<p>1431 &#8211; 1449 auf dem <strong><em>Konzil von Basel<\/em> <\/strong>begann eine umfassende Diskussion der katholischen Kirche zur Hexerei, die die bisherigen Ketzer- und Zaubereiprozesse \u00fcberlagerte und zum Beginn der Verfolgung der Hexen f\u00fchrte.<\/p>\n<p>1484 erl\u00e4sst <strong>Papst Innoncens VIII.<\/strong><em> die Hexenbulle<\/em> \u2013 ein kirchliches Dekret, eine verbindliche rechtliche Anordnung. Verfasst wurde die Bulle von <strong>Heinrich Institoris <\/strong>(1430 &#8211; 1505), Dominikaner-M\u00f6nch und p\u00e4pstlicher Inquisitor.<\/p>\n<p>Die <em>Hexenbulle<\/em> ist gerichtet gegen \u201esehr viele Personen beiderlei Geschlechts, die mit ihren Bezauberungen die Geburten der Weiber umkommen machen und verursachen&#8230; dass die (Menschen) nicht zeugen, die Frauen, dass sie nicht empfangen, und die M\u00e4nner, dass sie die ehelichen Werke nicht leisten k\u00f6nnen. &#8230;\u201c<sup><a id=\"fnref-6\" href=\"#fn-6\">6<\/a><\/sup><\/p>\n<p>Damit best\u00e4tigte der Papst offiziell die Existenz der Hexerei. Es begann die Periode der kirchlich geforderten Hexenverfolgungen in Mitteleuropa.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eEs soll also \u00fcberhaupt keinem Menschen erlaubt sein, diese Urkunde unserer Kundmachung und Auftrages zu entkr\u00e4ften oder sich ihm in verwegener Tollk\u00fchnheit entgegenzustellen. Wenn jemand dies zu unternehmen sich anma\u00dfen w\u00fcrde, soll er wissen, dass er den Unwillen des allm\u00e4chtigen Gottes\u2026 auf sich ziehen wird.\u201c<sup><a id=\"fnref-7\" href=\"#fn-7\">7<\/a><\/sup><\/p><\/blockquote>\n<p>Das bedeutet: Jeder Widerstand bedeutet eine strafbare Handlung.<\/p>\n<p>Am 05.12.1484 \u00fcbertrug der Papst den beiden Dominikaner-Inquisitoren Heinrich Institoris und <strong>Jakob Sprenger<\/strong> umfangreiche Vollmachten. Damit sollten in Deutschland besonders verbreitete, magische Praktiken bek\u00e4mpft werden und sie konnten dabei mit besonderer H\u00e4rte gegen Verd\u00e4chtige verfahren.<\/p>\n<figure id=\"attachment_190\" aria-describedby=\"caption-attachment-190\" style=\"width: 309px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-190\" src=\"http:\/\/www.hexenprozesse-leipzig.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/hexenhammer-01-300x237.jpg\" alt=\"\" width=\"309\" height=\"244\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-190\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"font-size: 10pt;\"><strong>malleus <\/strong>lat. \u2013 bedeutet: Werkzeug<\/span><br \/><span style=\"font-size: 10pt;\"><strong>Malefic<span style=\"color: #3366ff;\">a<\/span>rum<\/strong> lat., zusammengesetzt aus male<\/span><br \/><span style=\"font-size: 10pt;\">(\u201eschlecht\u201c) und dem Verb <strong>facere<\/strong> (\u201etun\u201c) \u2013<\/span><br \/><span style=\"font-size: 10pt;\">bedeutet: \u201eB\u00f6se Tuende\u201c (<span style=\"color: #3366ff;\">weiblich<\/span>)<\/span><br \/><span style=\"font-size: 10pt;\"><strong>Malefic<span style=\"color: #3366ff;\">a<\/span><\/strong> \u2013 bedeutet: die \u00dcbelt\u00e4terin, die Hexe<\/span><\/figcaption><\/figure>\n<p>1486 ver\u00f6ffentlicht<strong> Heinrich Institoris<\/strong> zus\u00e4tzlich den<strong> Hexenhammer<\/strong> <em>(Malleus Maleficarum)<\/em>: Theorien zu \u201eUrsachen und Gr\u00fcnden der Hexerei\u201c wie auch Anweisungen zur Verfolgung und Befragung, durch die Frauen zutiefst erniedrigt wurden. Der <em>Hexenhammer<\/em> erschien bis 1669 in 29 Auflagen.<\/p>\n<p>In Berufung auf die Hexenbulle wird hier u.a. behauptet, \u201e\u2026dass die <em>Hexen-Hebammen<\/em> auf <em>siebenfache Weise<\/em> die Empf\u00e4ngnis im Mutterleib verhindern k\u00f6nnen.\u201c Durch die Benutzung der weiblichen Form \u201eMaleficarum\u201c wird deutlich, dass es vordergr\u00fcndig um die Verfolgung von Frauen geht.<\/p>\n<p>Seit Jahrtausenden waren <em>Magie und Zauberei<\/em> wichtiger und untrennbarer Teil von heilenden Ritualen. Solche Heil-Handlungen wurden jetzt neu bewertet. Aus <strong><em>Veneficum<\/em><\/strong> (lat.) \u2013 gebr\u00e4uchliche Bezeichnung f\u00fcr positiv heilende magische Pulver und Kr\u00e4utermischungen \u2013 wird <em>die <strong>Venefica<\/strong><\/em>, die Giftmischerin. Aus \u00fcberlieferten Ritualen, die die heilende Wirkung von Kr\u00e4utern mit Beschw\u00f6rungsversen oder magischen Gegenst\u00e4nden (Amuletten) verbanden, wurde das <em>maleficium<\/em> &#8211; die <em>Hexerei<\/em>. Heil-Anwendungen au\u00dferhalb der Kl\u00f6ster waren somit <em>unter Verdacht<\/em> (Ausnahme: neu entstehende Apotheken).<\/p>\n<p>1530 und 1532 legt die \u201ePeinliche Halsgerichtsordnung\u201c <strong>Kaiser Karls V.<\/strong> fest:<\/p>\n<blockquote><p>\u201e\u2026so jemandt den leuten durch zauberey schaden oder nachtheyl zuf\u00fcgt, soll man straff en vom leben zum todt, vnnd man soll solche straff mit dem fewer thun.\u201c (109. Artikel \u201eStraff der zauberey\u201c)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>F\u00fcnf Hauptelemente des strafrechtlich neuen Deliktes der Hexerei:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Teufelspakt<\/li>\n<li>Teufelsbuhlschaft<\/li>\n<li>Flug durch die Luft (Hexenflug) zum<\/li>\n<li>Hexensabbat, auf dem Gott abgeschworen und der Teufel angebetet wird<\/li>\n<li>Schadenszauber<\/li>\n<\/ul>\n<p>Nach verst\u00e4rkten Miss-Ernten und der Klima-Verschlechterung wurde der Vorwurf des Schadenszaubers auch genutzt, um <em>jemanden<\/em> die Schuld daran geben zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>\u201eHexen schaden auf Siebenerlei Art\u201c: <\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Liebe einfl\u00f6\u00dfen<\/li>\n<li>Hass einfl\u00f6\u00dfen<\/li>\n<li>Zeugung und Empf\u00e4ngnis verhindern<\/li>\n<li>Siechtum an einem Glied erzeugen (lat.Original: \u201eimpotentia ex maleficio\u201c)<\/li>\n<li>Menschen des Lebens berauben<\/li>\n<li>Menschen des Verstandes berauben<\/li>\n<li>sie auf eine der o.g. Arten in ihren Sachen o. Tieren sch\u00e4digen<\/li>\n<\/ul>\n<p>Diese Aufz\u00e4hlung der Schadensarten zeigt, dass es auch um die Verfolgung eines Wissens ging \u2013 des<strong> Wissens um Verh\u00fctung, Geburtenregelung und Sexualit\u00e4t<\/strong>. Die Hexenverfolgung richtete sich gegen Frauen \u2013 nicht nur \u201eweil sie schw\u00e4cher im Glauben sind\u201c (<em>Hexenhammer<\/em>). Frauen <em>bedrohten<\/em> die kirchliche Lehre seit Beginn durch ihre biologischen F\u00e4higkeiten. Die Behauptung \u201e\u2026 geboren von der Jungfrau Maria\u201c ist schwer zu glauben, da besonders Frauen <em>darum<\/em> wissen, dass eine Frau nur nach Geschlechtsverkehr mit einem Mann schwanger werden kann.<\/p>\n<p>Das Interesse der Kirche an der Hexenverfolgung war mehrfach begr\u00fcndet: Zum einen stellten unverheiratete, selbst\u00e4ndig arbeitende und lebende Frauen durch ihre Existenz das Frauenbild der Kirche in Frage und damit die Durchsetzung der ausschlie\u00dflich m\u00e4nnlich dominierten kirchlichen Lehre. Zum anderen brauchte die Kirche als gr\u00f6\u00dfte Landbesitzerin in Mittel- und Westeuropa \u00fcberall Arbeitskr\u00e4fte \u2013 war folgend wirtschaftlich an <em>entsprechenden Geburtenzahlen<\/em> interessiert. Durch die Pest lagen Landstriche ver\u00f6det und es herrschte ein hoher Arbeitskr\u00e4ftemangel. F\u00fcr Landarbeit wie auch f\u00fcr kriegerische Auseinandersetzungen brauchte es Menschen.<\/p>\n<p>Das Interesse des weltlichen Adels war aus den gleichen Gr\u00fcnden ebenfalls ein wirtschaftliches. Hinzu kam die Furcht vor g\u00f6ttlichen Strafen (siehe <em>Hexenbulle<\/em>). So kam es zu einer Vereinigung dieser Interessen \u2013 und folgend zu einer gezielten Verfolgung von Frauen. Diese Verfolgung entwickelte eine grausame Eigendynamik. Letztendlich konnte es jede und jeden treff en. Territorial gab es aber gro\u00dfe Unterschiede. Es gab F\u00fcrsten oder Grundherren, die auf ihren Hoheitsgebieten die Hexenverfolgung nicht unterst\u00fctzten.<\/p>\n<p>Die Kirche nutzte f\u00fcr die Verfolgung von <em>Hexen<\/em> ihre Erfahrungen, Mittel und rechtlichen Verwaltungsstrukturen der Inquisition. Die <em>Hexen<\/em> geh\u00f6rten zu den von der Kirche verfolgten Menschen, weil sie angeblich gegen die kirchliche Lehre mit dem Teufel paktierten. Mit den <em>Hexen<\/em> wurde strafrechtlich eine neue Personengruppe geschaffen.<\/p>\n<p><strong>H\u00e4retiker, Ketzer:<\/strong> Diese konnten bei Reue begnadigt werden.<br \/>\n<strong>Hexen:<\/strong> Die mussten in jedem Fall vernichtet werden.<br \/>\n<strong>Ketzerei:<\/strong> ist ein geistlicher Schaden; Irrtum des Glaubens<br \/>\n<strong>Hexerei:<\/strong> ist ein zeitlich orientierter Schaden und eingreifend in b\u00fcrgerliche wie materielle Belange. Daher ging bzw. geht sie in die weltliche Gerichtsbarkeit ein. 1419 taucht das Wort Hexe das erste Mal in einem weltlichen Strafprozess in Luzern auf.<sup><a id=\"fnref-8\" href=\"#fn-8\">8<\/a><\/sup><\/p>\n<p>Die Trennlinie zwischen Hexerei und Heiligkeit war schmal. Dieselben Begabungen oder Geschehnisse konnten als <em>Zeichen von Heiligkeit<\/em><strong> als auch als<em> Zeichen der Ketzerei, der Zauberei, der Besessenheit<\/em><\/strong> ausgelegt werden. Diese Ambivalenz findet sich im gesamten Mittelalter. F\u00fcr diejenigen, f\u00fcr die <em>Hexerei<\/em> (<em>Teufelswerk<\/em>) wahrhaftig existierte, war <em>Hexerei<\/em> ein absichtlich, bewusst schadendes ausge\u00fcbtes Tun.<\/p>\n<p>Die Reaktionen auf den Hexenhammer waren zwiesp\u00e4ltig. Es gab \u00f6ffentliche Ablehnung und Verweigerung in der Bev\u00f6lkerung, bei Juristen, Theologen und weltlichen Herrschenden im gesamten deutschen Sprachraum. Denen gegen\u00fcber standen sehr bekannte Bef\u00fcrworter der Hexenverfolgung wie z.B. <strong>Martin Luther<\/strong>, der gro\u00dfe Teile der reformatorischen Bewegung stark beeinflusste; ebenso wie <strong>Paracelsus<\/strong> weite Teile der Naturwissenschaften.<sup><a id=\"fnref-8\" href=\"#fn-8\">8<\/a><\/sup><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\"><strong>Quellen:<\/strong><\/span><\/p>\n<p id=\"fn-1\"><span style=\"font-size: 10pt;\">1. Wisselinck, Erika: Hexen. Warum wir so wenig von ihrer Geschichte erfahren und was davon auch noch falsch ist. M\u00fcnchen: Frauenoffensive 1987<a href=\"#fnref-1\">\u21a9<\/a><\/span><\/p>\n<p id=\"fn-2\"><span style=\"font-size: 10pt;\">2. B\u00e4chtold-St\u00e4ubli, Hans (Hrsg.); Hoffmann-Krayer, Eduard: Handw\u00f6rterbuch des deutschen Aberglaubens, Berlin : Verlag Walter de Gruyter, 1987, Nachdruck der Ausg. Berlin 1927-42<a href=\"#fnref-2\">\u21a9<\/a><\/span><\/p>\n<p id=\"fn-3\"><span style=\"font-size: 10pt;\">3. Kluge, Friedrich; G\u00f6tze, Alfred: Etymologische W\u00f6rterbuch der deutschen Sprache, 14., unver\u00e4nderte Auflage 1948, Berlin: Verlag Walter de Gruyter<a href=\"#fnref-3\">\u21a9<\/a><\/span><\/p>\n<p id=\"fn-4\"><span style=\"font-size: 10pt;\">4. Heim, Manfred: Von Ablass bis Z\u00f6libat, kleines Lexikon der Kirchengeschichte \/ Lexikon des Vatikans 2008, C.H.Beck Verlag<a href=\"#fnref-4\">\u21a9<\/a><\/span><\/p>\n<p id=\"fn-5\"><span style=\"font-size: 10pt;\">5. Jilg, Waltraut: &#8222;Hexe&#8220; und &#8222;Hexerei&#8220; als kultur- und religionsgeschichtliches Ph\u00e4nomen, 1999, in: Schwaiger, Georg [Hrsg.]: Teufelsglaube und Hexenprozesse, M\u00fcnchen 1999, Beck&#8217;sche Reihe <a href=\"#fnref-5\">\u21a9<\/a><\/span><\/p>\n<p id=\"fn-6\"><span style=\"font-size: 10pt;\">6. Hexenbulle, Papst Innozenz VIII. 1484<a href=\"#fnref-6\">\u21a9<\/a><\/span><\/p>\n<p id=\"fn-7\"><span style=\"font-size: 10pt;\">7. ebenda<a href=\"#fnref-7\">\u21a9<\/a><\/span><\/p>\n<p id=\"fn-8\"><span style=\"font-size: 10pt;\">8. Lorenz, S\u00f6nke; Midelfort, H. C. Erik: Hexen und Hexenprozesse. Ein historischer \u00dcberblick, in: historicum.net, URL: https:\/\/www.historicum.net\/purl\/aj\/ Zuletzt ge\u00e4ndert: 04.04.2006<a href=\"#fnref-8\">\u21a9<\/a><\/span><\/p>\n<p id=\"fn-9\"><span style=\"font-size: 10pt;\">9. Behringer, Wolfgang: Hexen und Hexenprozesse in Deutschland, dtv. 1988, Zweites Kapitel<a href=\"#fnref-9\">\u21a9<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\">Grafik aus: Heinrich Institoris: Malleus Maleficarum<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Begriff der Hexe entsteht erst zum Ende des Mittelalters. 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