Fachtag Hexenverfolgung 2015

Freitag, 13.11.2015  ||  14 – 18 Uhr

Ort: Soziokulturelles Zentrum Frauenkultur | Windscheidstr 51 | 04277 Leipzig
Kleiner Fachtag zur Hexenverfolgung in Sachsen

Als Hexe verfolgt und ermordet…

In vielen kulturellen Events anlässlich 1.000 Jahre Ersterwähnung Leipzig standen bzw. stehen (Rück-)Blicke in die städtische Geschichte im Mittelpunkt. Zu dieser Geschichte gehören auch unterschiedlichste Unrechts-situationen. Über das Unrecht jahrhundertelanger Hexenverfolgung in Sachsen, in Leipzig gibt es bis heute nur wenige öffentliche Reflektionen und Statements. Aber der öffentliche Diskurs über stattgefundenes Unrecht, das Benennen nachweisbarem Unrecht… trägt immer auch die Option in sich, gesellschaftliche Zusammenhänge zu erkennen – wie auch eine Form der Rehabilitation von unschuldig ermordeten Frauen und Männern, selbst wenn diese viele hundert Jahre später stattfindet.
In vielen Kommunen Deutschlands haben Menschen Gedenkorte für die Opfer der Hexenprozesse geschaffen und beantragt, die Opfer der Hexenprozesse zu rehabilitieren (nicht juristisch, sondern aus moralisch-ethischen Gründen). Leipzig ist bislang nicht vertreten. Dies gilt es zu ändern.
Dieser kleine Fachtag befasst sich mit den gesellschaftlichen, religiösen, strafrechtlichen Aspekten des ausgehenden Mittelalters und der Frühen Neuzeit in Sachsen, mit der Situation von Frauen und Männern, mit exemplarischen Einzelschicksalen – bietet Möglichkeiten der Diskussion und der Verständigung zu einem noch viel zu wenig aufgearbeitetem Thema… auch in regionalen Bezügen.

Begrüßung und Einführung in das Thema

Christine Rietzke | Soziokulturelles Zentrum Frauenkultur

Luther und die Hexen – Hexenverfolgung im Gebiet südlich des Thüringer Waldes

Dr. Kai Lehmann, Historiker, Direktor Museum Schloss Wilhelmsburg | Schmalkalden; Herausgeber/Autor des gleichnamigen Werkes; Kurator mehrerer Ausstellungen zum Thema

Hexengedenktage oder: Warum wurden die Hexen verfolgt?

Dr. Godula Kosack, Leipzig, Ethnologin und Herausgeberin der „Hexengedenktage“ | Vergleichende Betrachtungen zu „Magie im Alltag“ | Vorstellen von Möglichkeiten, stellvertretend der zu Unrecht Verfolgten zu gedenken.

Das Teufelsbild und Zauberpraktiken in sächsischen Hexenprozessen des 16./17. Jahrhunderts.

Privatdozent Dr. phil. habil. Manfred Wilde, Historiker, OBM Delitzsch; Autor des Werkes „Die Zauberei- und Hexenprozesse in Kursachsen“

Informationen zum Aufbau des Deutschen Hexen-Dokumentationszentrum

Dr. Kai Lehmann, u.a. auch Mitorganisator des entstehenden Deutschen Hexendokumentationszentrum stellt die bereits geschaffene Datenbank vor, in welcher alle heute noch zu ermittelnden Fälle von Hexenverfolgung auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik (perspektivisch ist eine europaweiter Ausbau geplant) abrufbar sind: Also von der Inseln Rügen und Fehmarn bis nach Konstanz und den Bodenseeraum, vom westlichen Westfalen bis zur Prignitz.

Daran anknüpfend besteht die Option, ein Leipziger Netzwerk zu schaffen, dass sich in Leipziger Zusammenhängen für die Rehabilitation der zu Unrecht der Hexerei Beschuldigten einsetzt.

Informiert wird zudem über den Aufruf von bereits über 1000 Menschen, die die Evangelische Kirche in Deutschland bitten, die Opfer der Hexenprozesse zu rehabilitieren. Auch Martin Luther rief zu Verfolgungen auf. Mehr Informationen dazu unter – auch unter dem Aspekt der Feierlichkeiten von 500 Jahren Reformation, die 2017 auch in Leipzig veranstaltet werden. Arbeitskreises Hexenprozesse | www.anton-praetorius.de

Dieser Fachtag wird gefördert durch die Gleichstellungsbeauftragte der Landesdirektion Sachsen und das Kulturamt der Stadt Leipzig.